„Eine Erfindung zu realisieren ist wie Kopf oder Zahl zu spielen.“

HANEMA – Gegründet im Dezember 2019

Die besten Erfindungen sind doch jene, ohne die das Leben gar nicht mehr vorstellbar ist. Nebil Hathroubi besitzt den notwendigen Erfindergeist für so einen großen Wurf und hat einen langen Atem. Den braucht er, denn der Weg von der ersten Ideenskizze bis zum fertigen Produkt ist herausfordernd.

„Was, das gibt es noch nicht?“ Diese Frage hört Nebil immer, wenn er seine Erfindung vorstellt. Er hat den „Chaircase“ erfunden – einen Koffer, der sich blitzschnell in eine Sitzgelegenheit verwandelt, falls Sie beim Warten auf den Zug kurz verschnaufen wollen.

Schon als Jugendlicher begann der kreative Kopf damit, seine Ideen in einem Notizbuch festzuhalten. Und als sich seine Frau im Urlaub das Bein verstaucht, er das ganze Gepäck plus Frau durchs Terminal trägt, niemand einen Sitzplatz anbietet und der Hardcase-Koffer sich im Draufsetz-Test obendrein als zu soft erweist, macht es bei ihm sofort wieder „Klick“.

„Viele haben gesagt: ‚Lass den Quatsch!’ – bis sie den Koffer gesehen haben“ 

Über den Aha-Effekt seiner Gesprächspartner freut sich der Erfinder jedes Mal aufs Neue. Alle erkennen den Nutzen sofort. Genau solche Dinge will Nebil entwickeln. Dafür setzt er nicht nur seine spärliche Freizeit ein – der Familienvater arbeitet in Wechselschicht – sondern finanziert auch alles privat vor.

Der Prototyp des Sitzkoffers entstand im heimischen Keller: „Ich habe jede freie Minute genutzt. Die ersten Ideen waren so schlecht, dass ich rund zehn Koffer zerstört habe. Aber dann, mit dem richtigen Kunststoffmaterial, viel Klebeband, zahllosen Schrauben und nach hunderten Besuchen im Bauhaus, hatte ich meinen ersten Chaircase fertig. Gewiss kein vorzeigbares Schmuckstück, aber er funktionierte!“

Der nächste Schritt führte zum Patentanwalt. Jedes Detail musste genauestens beschrieben werden. „Es dauerte zwei Jahre, bis mir das Patent erteilt wurde. Ich war sehr stolz, als ich die Urkunde endlich in meinen Händen hielt“.

Die Investition ist ein Wetteinsatz: Wetten, dass dieser Koffer ein Erfolg wird? 

Seit der Fertigstellung des Prototypen sind nun sechs Jahre vergangen. Keine Zeit des Stillstands für den Erneuerer des Reisegepäcks: Ein deutscher Hersteller, der Koffer als Sonder- und Maßanfertigung produziert und über entsprechendes Fachwissen verfügt, fertigte einen vorzeigbaren zweiten Prototypen.

Damit startet Nebil die Suche nach einem Partnerunternehmen, das sowohl die Produktion als auch die Vermarktung des Sitzkoffers in Lizenz übernimmt. Doch einfach ist das nicht: „Es ist schwierig, Firmen zu finden, die das Projekt so umsetzen können, dass es meiner Vorstellung möglichst nahekommt. Manchmal stellt man erst nach längeren Verhandlungen fest, dass die Zusammenarbeit einfach keinen Sinn ergibt.“

Bei der Partnersuche wird der Erfinder von einem Marketingfachmann unterstützt, den ihm die IHK vermittelt hat. Nebil ist Meister in einem technischen Beruf – das Kontakten und die Vorbereitung der Gesprächstermine liegen ihm nicht. Als er gründet, hilft ihm Pro Social Business bei der Erstellung seines Businessplans, der Wahl der passenden Rechtsform und anderem mehr. Seine Firma HANEMA entsteht Ende 2019 parallel zum Day-Job, denn Geld fließt ja erst, wenn der Lizenzierungs-Deal klappt und die Sitzkoffer verkauft werden. „Am liebsten würde ich ja einfach nur Erfinder sein“, lächelt der Gründer. Er träumt von ausreichend Freiraum, um sich auf seine Ideen fokussieren zu können und von einem Büro, dessen Team die administrativen Aufgaben stemmt.

Kurz nach der Gründung platzt plötzlich Corona mitten in die bisher vielversprechendsten Lizenzgespräche. Besonders hart betroffen: Die Reisebranche. Neuentwicklungen mit hohen Anlaufkosten werden von den Kofferherstellern und anderen Branchenmarken zurückgestellt.

Der Traum lebt

Das ändert sich jetzt, denn nach der Omikronwelle kehrt ein bisschen Normalität zurück. „In den vergangenen Jahren kam immer alles anders als gedacht. Wie bei ‚Kopf oder Zahl’. Aber nur jene Phasen fallen mir schwer, in denen gefühlt nichts vorangeht“, resümiert Nebil.

Wie viel Zeit wohl noch vergehen wird, bis der Sitzkoffer in Serienproduktion geht? Wir drücken die Daumen, dass es schnell klappt. Schließlich wollen wir auch bald mit dem Chaircase reisen!

Gründer: Nebil Hathroubi

E-Mail: nebil.hathroubi@googlemail.com